Nach der erfolgreichen Programmpremiere in der ausverkauften Elbphilharmonie beim Schleswig-Holstein Musik Festival 2024 bringt das Bridges Kammerorchester sein außergewöhnliches Konzertprogramm „Von der Seidenstraße über Venedig nach Konstantinopel“ nun nach Kempten. Die Reise führt musikalisch entlang historischer Handelsrouten und kultureller Begegnungsräume und macht hörbar, wie eng Musikgeschichte und Austausch zwischen Regionen seit jeher miteinander verbunden sind. Alle Werke des Abends wurden von Orchestermitgliedern selbst komponiert oder eigens für diese Besetzung arrangiert – ein Konzept, das dem Ensemble seinen besonderen Charakter verleiht: Das Bridges Kammerorchester ist ein „composing orchestra“, ein Orchester also, das seine künstlerischen Inhalte aus den eigenen vielfältigen Stimmen heraus entwickelt.
Im Zentrum des Programms steht Venedig, eine Stadt mit herausragender Bedeutung für Handel, Kunst und Musik. Einst führende Macht im Mittelmeerraum und bedeutende Musikmetropole, gilt Venedig bis heute als Symbol einer weltoffenen Kultur, die vom Austausch lebt. Von dort spannt das Konzert einen musikalischen Bogen in Richtung Konstantinopel, dem heutigen Istanbul – einer weiteren historischen Drehscheibe zwischen Kontinenten, Sprachen und Traditionen. Diese Route ist nicht nur geografisch gedacht, sondern als Klangreise, die unterschiedliche musikalische Welten miteinander verbindet.
Ausgehend von der iberischen „La Follia“, die in den Variationen des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi eine zentrale Rolle spielt, entfaltet sich ein Programm, das Stilistiken aus arabischer, persischer und europäischer Klassik, aus Jazz, zeitgenössischer Musik, osteuropäischer Folklore sowie verschiedenen Formen zentralasiatischer und lateinamerikanischer Musik miteinander verknüpft. Dabei entsteht kein Nebeneinander einzelner Stile, sondern ein lebendiges Miteinander, in dem Tradition und Innovation einander bereichern. Aus der Vielfalt der Identitäten und musikalischen Biografien der Musiker*innen formt sich ein unverwechselbarer Klang: der einzigartige Bridges Sound.
Geleitet wird das Bridges Kammerorchester erneut von der Dirigentin Zahia Ziouani. Sie hat sich als Gründerin und Dirigentin des renommierten Orchesters Divertimento in Paris sowie der Divertimento Akademie international einen Namen gemacht. Ziouani setzt sich seit Jahren beispielhaft für den Zugang aller Bevölkerungsgruppen zu kulturellen Angeboten ein und ist bekannt für Formate, die Musik mit anderen Ausdrucksformen wie Tanz, Theater oder Sport verbinden. So öffnet sie das klassische Symphonie-Repertoire für neue Perspektiven und vielfältige Genres. 2024 trat das Orchester Divertimento anlässlich der Olympischen Spiele in Paris auf, 2022 erschien der Dokumentarfilm „Divertimento – Ein Orchester für alle“.
Das Bridges Kammerorchester blickt auf eine beeindruckende Entwicklung und zahlreiche Auszeichnungen zurück. Nach seinen gefeierten Debüts 2024 in der Elbphilharmonie Hamburg und 2025 auf dem Bachfest Leipzig ist es auch in der neuen Saison in renommierten Spielstätten zu erleben, darunter erneut in der Elbphilharmonie, im Casals Forum sowie im Sendesaal des Hessischen Rundfunks. Das Ensemble wurde 2025 mit dem Cranach-Förderpreis ausgezeichnet und ist seit September 2022 Orchestra in Residence im Casals Forum der Kronberg Academy. Sein Album „Complementarity“ wurde für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert.
Dirigentin: Zahia Ziouani
Künstlerische Leitung: Johanna-Leonore Dahlhoff
Auszug aus dem Programm:
„La Follia“ – Antonio Vivaldi (1678–1741), Arrangement: Johanna-Leonore Dahlhoff
„Gündömünü – Solstice“ – Ceren Türkmenoğlu (*1989)
„Constantinople“ – Gabriel Mientka (*1986)
Foto: Manuel Braun
COMPOSIN Manuel Braun
In einer Zeit, in der kulturelle Barrieren oft im Vordergrund stehen, bietet das Bridges Kammerorchester mit seinem Programm eine faszinierende Perspektive auf die verbindende Kraft der Musik. Indem es musikalische Traditionen entlang der historischen Seidenstraße miteinander verknüpft, schafft das Ensemble eine Plattform für interkulturellen Dialog und Verständigung. Die Aufführung in Kempten wird nicht nur zu einem musikalischen Erlebnis, sondern auch zu einer Reflexion über die Bedeutung kulturellen Austauschs in unserer globalisierten Welt. Zahia Ziouani, die das Orchester leitet, ist bekannt für ihren Einsatz, die Kluft zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu überwinden und den Zugang zu kulturellen Angeboten zu fördern. Ihre Arbeit zeigt, dass Musik eine Brücke sein kann, um unterschiedliche Hintergründe und Geschichten zu verbinden.
Das Konzertprogramm des Bridges Kammerorchesters ist mehr als nur eine musikalische Darbietung; es ist ein lebendiges Beispiel für die Bereicherung, die durch Vielfalt entsteht. In einer Welt, die oft von Spaltung geprägt ist, erinnert das Orchester daran, dass Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern gefeiert werden sollte. Die Musiker*innen, die mit ihren verschiedenen kulturellen und musikalischen Hintergründen zusammenkommen, verkörpern die Idee, dass Innovation durch die Verschmelzung unterschiedlicher Traditionen und Ideen entstehen kann. Diese harmonische Verbindung von Altem und Neuem, von Tradition und Moderne, bietet dem Publikum nicht nur eine musikalische Reise, sondern auch eine inspirierende Vision von Gemeinschaft und Zusammenarbeit.