Fotografie kann Orte sichtbar machen, deren Geschichte im heutigen Alltag leicht übersehen wird. Von 20. Juni bis 2. August 2026 zeigt Fabio Scaturro im Erinnerungslabor Allgäuhalle in Kempten die Werkgruppe „Produkte der Vergangenheit – NS-Tatorte im Allgäu“. Zu sehen ist die Ausstellung in Halle II der Allgäuhalle, geöffnet ist Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr.
Fabio Scaturro in der Allgäuhalle Kempten richtet den Blick auf ehemalige NS-Tatorte und NS-Liegenschaften im Allgäu. Der künstlerisch-konzeptuelle Ansatz entstand vor dem Hintergrund, dass offen ausgetragenes rechtes Gedankengut heute erneut seinen Weg in die Mitte der Gesellschaft findet. Die Arbeiten fragen, wie Orte gelesen werden, wenn ihre historische Bedeutung im Stadtbild oder in der Region nicht unmittelbar erkennbar ist.
Im Fokus stehen öffentliche und private Räume, die heute selbstverständlich wirken und dennoch mit der NS-Geschichte verbunden sind. Scaturro untersucht diese Orte fotografisch und zeigt, dass nationalsozialistische Verbrechen nicht außerhalb der Gesellschaft stattfanden, sondern in ihrer Mitte. Damit verweist die Ausstellung auch auf gegenwärtige Fragen des Erinnerns, Einordnens und Benennens.
Ein besonderes Augenmerk gilt Orten, die sich verändert haben: vom ehemaligen Tatort hin zu einem Ort der Vielfalt, Freiheit oder Begegnung. Gerade dieser Wandel macht die Werkgruppe vielschichtig. Sie zeigt nicht nur historische Belastung, sondern auch die Frage, wie Gesellschaft mit solchen Orten weiterlebt und welche Bedeutungen ihnen heute zugeschrieben werden.
Scaturros Bildsprache bleibt nüchtern. Die Fotografien suchen keine dramatische Zuspitzung, sondern setzen auf genaue Beobachtung. Weitwinkelaufnahmen ermöglichen eine Gesamtschau und lassen Raum für eigene Assoziationen. So entsteht eine Form der Annäherung, die nicht überwältigen will, sondern zum Hinsehen auffordert. 🖼️
Fabio Scaturro wurde in Memmingen geboren und beschäftigt sich seit 2013 mit konzeptueller Fotografie. Seine Debütausstellung fand 2019 in Memmingen statt. Ab 2020 folgten Gruppenausstellungen in Memmingen, Marktoberdorf, Bielefeld und Kempten. 2024 nahm er am Projekt „Butter, Vieh, Vernichtung – Nationalsozialismus und Landwirtschaft im Allgäu“ teil, das als Inspiration für die Werkgruppe „Produkte der Vergangenheit“ diente.
2025 wurde Scaturro in den Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler aufgenommen. Im selben Jahr entstand sein Bildband „Stadtbadallee 1“. Sein Artist’s Statement zur aktuellen Ausstellung wurde als Video in der Orangerie der Kunsthalle Karlsruhe präsentiert. Zudem gewann er mehrere Ausschreibungen; seine Werke sind Teil der Sammlungen des Stadtmuseums Memmingen sowie der Kunsthalle Karlsruhe.
Zur Ausstellung gibt es kostenfreie öffentliche Führungen durch das Erinnerungslabor Allgäuhalle mit dem Themenschwerpunkt „Produkte der Vergangenheit – NS-Tatorte im Allgäu“. Sie finden am Samstag, 11. Juli 2026, sowie am Samstag, 18. Juli 2026, jeweils um 11 Uhr statt. Fabio Scaturro begleitet diese Führungen als Kurator der Teil-Ausstellung. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
🔎 Wichtige Infos auf einen Blick 🖼️ Was? Fabio Scaturro: „Produkte der Vergangenheit – NS-Tatorte im Allgäu“ 📅 Wann? 20. Juni bis 2. August 2026 🕙 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr 📍 Wo? Allgäuhalle Kempten, Halle II, Kotterner Str. 54, 87435 Kempten 🚶 Führungen: Samstag, 11. Juli 2026, und Samstag, 18. Juli 2026, jeweils um 11 Uhr 🎟️ Eintritt: frei 📝 Anmeldung: Keine Anmeldung notwendig 👤 Künstler: Fabio Scaturro, konzeptueller Fotograf aus Memmingen 🏛️ Veranstalter:in: Kulturamt der Stadt Kempten, Memminger Str. 5, 87439 Kempten ☎️ Kontakt: V. Heilmannseder, Tel. 0831 2525 7788 📸 Bildnachweis: „KZ Friedhof Türkheim, Ort des Gedenkens“, Foto: Fabio Scaturro
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