Politik wirkt oft fern – bis sie direkt vor der eigenen Haustür ankommt. Am Sonntag, 8. März 2026, findet in Bayern die allgemeine Kommunalwahl statt. Es geht also nicht um Bundestag, Landtag oder Europawahl, sondern um die politische Ebene vor Ort: Städte, Gemeinden und Landkreise. Gewählt wird für sechs Jahre. Laut Bayerischem Innenministerium geht es bayernweit um rund 39.500 kommunale Mandate. Gewählt werden dabei grundsätzlich die meisten ersten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister, die meisten Landrätinnen und Landräte sowie alle Gemeinde- und Stadträte und alle Kreistage.
📌 Kurz gesagt: Am 8. März 2026 ist in Bayern Kommunalwahl. Im Allgäu wird je nach Ort Unterschiedliches gewählt: Bürgermeister, Oberbürgermeister, Landräte, Gemeinde- und Stadträte sowie Kreistage. Die Wahl ist wichtig, weil sie direkt den Alltag betrifft – und besonders, weil man in Bayern kumulieren und panaschieren kann.
Warum diese Wahl im Alltag so wichtig ist
Kommunalpolitik klingt kleiner als Bundes- oder Landespolitik, ist für viele Menschen aber näher am eigenen Leben. Gemeinden entscheiden unter anderem über Ortsentwicklung, Wasser, Energieversorgung, Straßen, Wege, Plätze, Abwasserentsorgung und Feuerwehr. Landkreise sind unter anderem zuständig für Schulen, Krankenhäuser, Kreisstraßen, Abfallbeseitigung, Jugendhilfe und Rettungsdienste. Genau deshalb hat diese Wahl oft direkte Folgen für Familien, Pendler, Seniorinnen und Senioren, Vereine, Unternehmen und Ehrenamtliche. Grundlage ist die Übersicht des Bayerischen Innenministeriums.
Es geht also nicht abstrakt um „die Politik“, sondern ganz konkret um Kitas, Schulen, Busverbindungen, Parkplätze, Feuerwehren, Baugebiete, Vereine, Kliniken, Wohnraum und die Frage, wie lebenswert eine Stadt, ein Markt oder ein Dorf in den nächsten Jahren bleibt.
Merksatz: Wer sich über Baustellen, Busverbindungen, Baugebiete, Schulen, Feuerwehren, Kliniken, Vereinsförderung oder die Entwicklung des eigenen Orts ärgert oder freut, ist direkt von dieser Wahl betroffen.
Was im Allgäu am 8. März 2026 gewählt wird
Im Allgäu muss man zwischen kreisfreien Städten und Landkreisen unterscheiden. In kreisfreien Städten werden kein Landrat und kein Kreistag gewählt, weil diese Städte diese Aufgaben selbst wahrnehmen. Auch das erklärt das Bayerische Innenministerium.
Städte im Allgäu
Kempten: In Kempten werden am 8. März 2026 der Oberbürgermeister und der Stadtrat gewählt. Der Stadtrat umfasst 44 Sitze. Mehr dazu bei der Stadt Kempten.
Kaufbeuren: In Kaufbeuren werden am 8. März 2026 der Oberbürgermeister und der Stadtrat gewählt. Eine offizielle Grundlage dazu ist die Bekanntmachung der Stadt Kaufbeuren.
Memmingen: Memmingen ist ein Sonderfall. Auf der offiziellen Wahlseite der Stadt Memmingen ist für den 8. März 2026 ausdrücklich die Stadtratswahl ausgewiesen. Eine reguläre Oberbürgermeisterwahl scheint an diesem Termin nicht stattzufinden; das sollte vorsichtig formuliert werden. Der Hintergrund dürfte sein, dass das Amt bereits 2023 neu gewählt wurde.
Landkreise im Allgäu
Landkreis Oberallgäu: Gewählt werden der Landrat, der Kreistag sowie in zahlreichen Gemeinden auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Außerdem werden die jeweiligen Gemeinde-, Markt- und Stadträte gewählt. Rund 131.000 Menschen sind dort wahlberechtigt. Der Kreistag umfasst 70 Sitze. Mehr dazu beim Landkreis Oberallgäu.
Landkreis Unterallgäu: Gewählt werden der Landrat, der Kreistag sowie die Gemeinde- und Stadträte. In vielen Gemeinden kommen zusätzlich Bürgermeisterwahlen hinzu. Laut offizieller Seite gibt es einzelne Orte, in denen die Bürgermeisterwahl nicht mit dem allgemeinen Wahltermin zusammenfällt. Solche Sonderfälle sollte man eher allgemein formulieren. Der Kreistag umfasst 60 Sitze. Informationen beim Landratsamt Unterallgäu.
Landkreis Ostallgäu: Gewählt werden der Landrat und der Kreistag. Der Kreistag umfasst 60 Sitze. In den Gemeinden finden zusätzlich Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen statt, soweit keine abweichenden Amtszeiten bestehen. Außerdem wird auf eine mögliche Stichwahl am 22. März 2026 hingewiesen. Rund 114.000 Bürgerinnen und Bürger sind stimmberechtigt. Informationen beim Landkreis Ostallgäu.
Landkreis Lindau (Bodensee): Gewählt werden der Landrat und der Kreistag. Auf Kreisebene geht es um 60 Kreisräte. In der Stadt Lindau selbst werden zusätzlich der Oberbürgermeister und der Stadtrat gewählt. Mehr dazu beim Landkreis Lindau.
Wer wählen darf
Viele wissen es nicht: Bei den bayerischen Kommunalwahlen dürfen nicht nur deutsche Staatsangehörige abstimmen. Auch Staatsangehörige anderer EU-Mitgliedstaaten sind wahlberechtigt, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Darauf weisen sowohl das Bayerische Innenministerium als auch die Stadt Memmingen hin.
- deutsche Staatsangehörige oder Staatsangehörige anderer EU-Mitgliedstaaten
- am Wahltag mindestens 18 Jahre alt
- seit mindestens zwei Monaten im jeweiligen Wahlgebiet wohnhaft
- dort Schwerpunkt der Lebensbeziehungen
- kein gesetzlicher Wahlausschluss
Gerade für das Allgäu mit seinen internationalen Arbeits- und Lebensbezügen ist das keine Nebensache. Wer aus einem anderen EU-Land kommt, hier lebt und die Voraussetzungen erfüllt, kann bei der Kommunalwahl mitbestimmen, wie sich der eigene Wohnort entwickelt.
So funktioniert die Wahl
Die Wahllokale sind am 8. März 2026 in der Regel von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Es gibt auch die Möglichkeit der Briefwahl. Grundlage ist die Seite des Bayerischen Innenministeriums.
Je nach Wohnort bekommt man unterschiedlich viele Stimmzettel, zum Beispiel für:
- Bürgermeister oder Oberbürgermeister
- Landrat
- Gemeinderat oder Stadtrat
- Kreistag
Bei den Personenwahlen – also Bürgermeister, Oberbürgermeister oder Landrat – hat man grundsätzlich eine Stimme. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen bekommt. Erreicht das niemand, gibt es am 22. März 2026 eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten.
Bei den Gremienwahlen – also Gemeinderat, Stadtrat und Kreistag – ist Bayern besonders. Man hat so viele Stimmen, wie Sitze zu vergeben sind. Beispiele:
- Kempten: 44 Stimmen für den Stadtrat
- Unterallgäu: 60 Stimmen für den Kreistag
- Oberallgäu: 70 Stimmen für den Kreistag
Wichtige Begriffe:
- Listenkreuz: Eine ganze Liste ankreuzen. Dann werden die Stimmen nach den Regeln des Wahlrechts auf diese Liste verteilt.
- Kumulieren: Einzelnen Kandidatinnen oder Kandidaten bis zu drei Stimmen geben.
- Panaschieren: Stimmen auf Kandidierende verschiedener Listen verteilen.
- Kombinieren: Listenkreuz und Einzelstimmen mischen – solange insgesamt nicht mehr Stimmen vergeben werden als erlaubt.
Viele empfinden das bayerische Kommunalwahlrecht zunächst als kompliziert. Gerade deshalb ist es sinnvoll, vorab offizielle Muster- oder Probestimmzettel anzuschauen. Einige Landkreise stellen solche Unterlagen online bereit, etwa der Landkreis Oberallgäu.
Wichtig: Ein Stimmzettel kann ungültig werden, wenn man zu viele Stimmen vergibt. Deshalb sollte man auf die maximal zulässige Stimmenzahl achten.
Was passiert, wenn man nicht wählen geht?
Rechtlich passiert nichts, denn es gibt keine Wahlpflicht. Politisch bedeutet Nichtwählen aber, dass andere über die Zusammensetzung von Räten, Kreistagen sowie über Bürgermeister, Oberbürgermeister oder Landräte entscheiden. Da die Machtverhältnisse aus den abgegebenen gültigen Stimmen entstehen, erhöht Nichtwählen relativ das Gewicht der Stimmen derjenigen, die tatsächlich abstimmen.
Bei der letzten bayernweiten Kommunalwahl 2020 lag die Wahlbeteiligung bei 58,8 Prozent. Die Zahl stammt vom Bayerischen Landesamt für Statistik.
Wie man sich sinnvoll informiert
Gerade bei Kommunalwahlen helfen große bundespolitische Schlagworte oft nur begrenzt weiter, weil es vor Ort um sehr konkrete Themen geht: Baugebiete, Straßen, Schulen, Feuerwehren, Kliniken, Vereine, Ortsentwicklung, Nahverkehr, Parkplätze, Wohnraum und vieles mehr. Gute Information ist deshalb besonders wichtig.
Sinnvoll sind vor allem:
- offizielle Wahlseiten von Stadt, Gemeinde oder Landkreis
- offizielle Wahlvorschläge und Kandidatenlisten
- Muster- und Probestimmzettel
- seriöse lokale Berichterstattung
- Kandidatenvorstellungen, Podien und Programme
Worauf man sich eher nicht ausschließlich verlassen sollte:
- emotionale Kurzvideos ohne Einordnung
- einzelne Social-Media-Schnipsel
- ungeprüfte WhatsApp-Grafiken
- stark verkürzte oder rein empörungsgetriebene Darstellungen
Offizielle Grundlagen bietet das Bayerische Innenministerium. Zusätzliches Material gibt es bei der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.
Warum diese Wahl im Allgäu so viel mit dem eigenen Leben zu tun hat
Die wichtigste Schlussfolgerung ist schlicht: Die Kommunalwahl am 8. März 2026 entscheidet nicht abstrakt über „die Politik“, sondern darüber, wie das unmittelbare Lebensumfeld in den nächsten sechs Jahren gestaltet wird. Wer Familie hat, pendelt, ein Haus baut, zur Miete wohnt, Vereinsleben schätzt, auf gute Straßen oder Busverbindungen angewiesen ist oder sich über die Entwicklung des eigenen Ortes freut oder ärgert, ist direkt von dieser Wahl betroffen.
Wer wählen geht, überlässt diese Entscheidungen nicht einfach anderen. Und wer sich vorher gut informiert, versteht schnell: Gerade bei Kommunalwahlen geht es weniger um große Schlagworte als um die Frage, wie ein Ort konkret funktioniert – heute, morgen und in sechs Jahren.
Offizielle Links im Überblick
- Bayerisches Innenministerium – Kommunalwahlen
- Bayerische Landeszentrale – Infomaterial zur Kommunalwahl 2026
- Stadt Kempten – Kommunalwahl 2026
- Stadt Kaufbeuren – Bekanntmachung
- Stadt Memmingen – Wahlen
- Landkreis Oberallgäu – Kommunalwahl 2026
- Landratsamt Unterallgäu – Wahlen
- Landkreis Ostallgäu – Kommunalwahl
- Landkreis Lindau – Kommunalwahl 2026
- Bayerisches Landesamt für Statistik – Wahlbeteiligung 2020
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