Ein vermeintlich wertvolles Gemälde bringt eine Familie dazu, ihre moralischen Grenzen neu auszuhandeln: Mit „Nachtland“ kommt am Samstag, 17. Oktober 2026, eine bitterböse Komödie von Marius von Mayenburg in die Stadthalle Wangen im Allgäu. Die Württembergische Landesbühne Esslingen spielt das Stück ab 20 Uhr in der Stadthalle in der Jahnstraße 21. Im Zentrum stehen das Erbe der deutschen Vergangenheit, familiäre Konflikte, Antisemitismus und die Frage, welchen Preis Moral bekommt, wenn plötzlich viel Geld im Spiel ist.
Bei Nachtland in der Stadthalle Wangen beginnt alles mit einer Situation, die zunächst alltäglich erscheint. Nach dem Tod ihres Vaters räumen die Geschwister Nicola und Philipp den Dachboden ihres Elternhauses aus. Zwischen Erinnerungsstücken, Gerümpel und Sperrmüll entdecken sie ein altmodisches Landschaftsgemälde mit einer schiefen Kirche – und eine Signatur, die ihre Aufmerksamkeit weckt: „A. Hitler“. 🎭
Plötzlich steht die Frage im Raum, ob es sich tatsächlich um ein Bild von Adolf Hitler handeln könnte. Zunächst wird das Gemälde als hässlicher Kitsch abgetan, doch die Aussicht auf einen möglichen Verkaufserlös von mehr als 100.000 Euro verändert die Situation. 💶 Was eben noch als belastetes Objekt erschien, wird auf einmal zum potenziellen Vermögenswert. Aus diesem Widerspruch entwickelt Marius von Mayenburg eine Komödie, deren Humor eng mit moralischem Unbehagen verbunden ist.
Nicola und Philipp beginnen, ihre anfänglichen Zweifel zunehmend beiseitezuschieben. Für die Herkunft des Bildes entsteht kurzerhand eine passende Familiengeschichte rund um die vermeintliche Nazi-Vergangenheit von Oma Grete. Doch Philipps jüdische Ehefrau Judith stellt die Haltung der Geschwister infrage. Der Konflikt verschärft sich und bringt Aussagen und Vorurteile an die Oberfläche, die weit über einen gewöhnlichen Erbschaftsstreit hinausgehen.
„Nachtland“ beschäftigt sich damit, wie Menschen mit historischer Verantwortung umgehen, wenn persönliche Interessen ins Spiel kommen. Das Bild wird zum Auslöser einer Auseinandersetzung über Erinnerung, Schuld, Kunst und Geld. 🖼️ Zugleich richtet das Stück den Blick auf die Gegenwart: Wie stabil sind moralische Überzeugungen tatsächlich, wenn ein hoher finanzieller Gewinn winkt?
Der Titel „Nachtland“ verweist dabei auf einen dunklen gesellschaftlichen Raum, den das Stück mit den Mitteln der Komödie untersucht. Marius von Mayenburg arbeitet mit Zuspitzungen, schnellen Verschiebungen und Situationen, in denen das Lachen zunehmend unangenehm werden kann. Die Figuren versuchen, ihre Entscheidungen zu rechtfertigen, während der Streit immer deutlicher antisemitische Denkmuster und familiäre Verdrängungsmechanismen offenlegt.
Damit bewegt sich die Veranstaltung in Wangen im Allgäu zwischen Gegenwartstheater und gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Die deutsche NS-Vergangenheit ist nicht lediglich historischer Hintergrund der Handlung. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie spätere Generationen mit diesem Erbe umgehen – und welche Geschichten Familien über ihre eigene Vergangenheit erzählen, verändern oder lieber nicht hinterfragen. 📜
Auch der Kunstmarkt spielt in der Handlung eine wichtige Rolle. Das vermeintliche Hitler-Gemälde besitzt für Nicola und Philipp zunächst kaum ästhetischen Wert. Erst die mögliche Urheberschaft und damit der finanzielle Preis verändern ihre Wahrnehmung. Genau darin steckt eine der zentralen Provokationen des Stücks: Der materielle Wert eines Objekts kann plötzlich stärker wiegen als die Geschichte, mit der es verbunden ist.
Marius von Mayenburg zählt zu den bekannten zeitgenössischen deutschen Dramatikern. Seine Stücke greifen häufig gesellschaftliche Konflikte auf und führen sie in zugespitzten Situationen vor. Bei „Nachtland“ wird dafür eine Familie zum Schauplatz größerer Fragen. 🧩 Der Dachbodenfund setzt eine Dynamik in Gang, in der persönliche Beziehungen, Familiengeschichte und politische Haltung immer schwerer voneinander zu trennen sind.
Für die Inszenierung der Württembergischen Landesbühne Esslingen zeichnet Tobias Rott verantwortlich. Bühne und Kostüme stammen von Kerstin Jacobssen, die Dramaturgie übernimmt Lukas Schädler. Olga Katsaros ist für die Regieassistenz zuständig, Margarita Rudenstein für die Theaterpädagogik und Isolde Meisel für die Soufflage. 🎬
Auf der Bühne spielt Lily Frank die Judith, Eva Dorlaß übernimmt die Rolle der Nicola. Kristin Göpfert ist als Evamaria beziehungsweise Luise zu sehen, Niklas Schmidt-Kosik spielt Philipp und Moritz Brendel Fabian beziehungsweise Kahl. Die Aufführung in Wangen ist Teil des Spielplans der Württembergischen Landesbühne Esslingen und führt die Produktion damit auch außerhalb ihres Esslinger Stammhauses auf die Bühne.
Die Komödie setzt auf einen Konflikt, bei dem es keine bequeme Distanz zum Thema gibt. Ein Familienfund genügt, damit aus der Frage „Was machen wir mit diesem Bild?“ nach und nach grundsätzlichere Fragen werden: Was ist Erinnerung wert? Was darf verkauft werden? Und wie schnell werden historische und moralische Argumente angepasst, wenn ein sechsstelliger Geldbetrag im Raum steht? ⚖️
Gerade diese Verbindung von privatem Streit und deutscher Vergangenheit macht „Nachtland“ zu einem Stück, das sein Publikum mit widersprüchlichen Reaktionen konfrontiert. Komik und Beklemmung liegen eng beieinander, während die Figuren ihre Positionen zunehmend offenlegen. Für das Theaterpublikum in Wangen im Allgäu bietet der Abend damit zeitgenössisches Schauspiel, das historische Verantwortung nicht museal behandelt, sondern mitten in eine heutige Familie verlegt.
Veranstaltet wird die Aufführung vom Amt für Kultur und Sport Wangen im Allgäu. 🎟️ Als Spielort dient die Stadthalle Wangen in der Jahnstraße 21. Für die Veranstaltung ist der Zeitraum von 20 bis 22 Uhr angegeben; die Württembergische Landesbühne weist die genaue Dauer der Inszenierung in ihren Stückinformationen derzeit noch als offen aus.
🔎 Wichtige Infos auf einen Blick
- 🎭 Was? „Nachtland“, Komödie von Marius von Mayenburg
- 📅 Wann? Samstag, 17. Oktober 2026
- 🕗 Beginn: 20:00 Uhr
- 📍 Wo? Stadthalle Wangen im Allgäu, Jahnstraße 21, Wangen im Allgäu
- 🎬 Ensemble: Württembergische Landesbühne Esslingen
- 🧩 Themen: Deutsche Vergangenheit, Erbschaft, Antisemitismus, Moral, Kunst und finanzielles Interesse
- 🎭 Regie: Tobias Rott
- 🖼️ Bühne & Kostüme: Kerstin Jacobssen
- 📝 Dramaturgie: Lukas Schädler
- 👥 Besetzung: Lily Frank, Eva Dorlaß, Kristin Göpfert, Niklas Schmidt-Kosik und Moritz Brendel
- 🏛️ Veranstalter: Amt für Kultur und Sport Wangen im Allgäu
- ✉️ Kontakt: kulturamt@wangen.de