Sonderausstellung Zeitenwende 1525 in Kempten

Anzeige

Die Sonderausstellung „Zeitenwende 1525“ im Kempten-Museum im Zumsteinhaus widmet sich einem Jahr von herausragender Bedeutung für die Geschichte der Stadt Kempten und ihres Umlands. Das Jahr 1525 markiert einen tiefgreifenden Umbruch, in dem sich politische, soziale und religiöse Konflikte zuspitzten und nachhaltige Veränderungen auslösten. Zugleich beleuchtet die Ausstellung den Anteil der Region am deutschen Bauernkrieg, einer der einschneidendsten Erhebungen der frühen Neuzeit und einer wichtigen Etappe auf dem langen, konfliktreichen Weg zu gesellschaftlicher Emanzipation und politischer Mitbestimmung.

Bereits zu Beginn des Jahres 1525 eskalieren die seit Langem schwelenden Spannungen zwischen den Kemptener Fürstäbten und ihren Untertanen. Die bäuerliche Bevölkerung leidet unter wirtschaftlicher Belastung, eingeschränkten Rechten und feudalen Abhängigkeiten. Immer lauter werden die Forderungen nach der Wiederherstellung alter Freiheiten und nach einer gerechteren Ordnung. Diese sozialen Konflikte erhalten zusätzlichen Zündstoff durch die Reformation, deren Ideen sich auch im Allgäu rasch verbreiten. Religiöse Kritik an kirchlichen Autoritäten verbindet sich mit sozialen Forderungen und verwandelt lokale Auseinandersetzungen in einen umfassenden Kampf des sogenannten „gemeinen Mannes“ um grundlegende Veränderungen.

In dieser aufgeheizten Situation schließen sich die Bauern des Allgäus mit benachbarten Regionen zur „Christlichen Vereinigung“ zusammen. Mit den „Zwölf Artikeln“ entsteht eine Programmschrift von überregionaler Bedeutung, die als zentrales Dokument des deutschen Bauernkriegs gilt. In ihr formulieren die Aufständischen Forderungen nach persönlicher Freiheit, gerechter Rechtsprechung und religiöser Selbstbestimmung. Die Ausstellung macht deutlich, dass diese Texte nicht nur Ausdruck von Protest, sondern auch von einem neuen politischen Selbstbewusstsein waren.

Während der bäuerliche Widerstand das Umland prägt, steht für die kleine Reichsstadt Kempten selbst viel auf dem Spiel. Innerhalb der Bürgerschaft geht es um den inneren Frieden, um die Frage der Glaubensfreiheit und um die politische Selbstbehauptung gegenüber dem Fürstabt. Inmitten der allgemeinen Unruhe gelingt der Stadt mit dem sogenannten „Großen Kauf“ ein historischer Schritt: Sie löst dem Fürstabt seine letzten verbliebenen Rechte ab und sichert sich damit eine weitgehende politische Unabhängigkeit. Diese Entwicklung verläuft parallel zum tragischen Scheitern des bäuerlichen Aufstands, der im Juli 1525 bei Leubas militärisch niedergeschlagen wird. Die Ausstellung stellt diese unterschiedlichen Entwicklungen bewusst nebeneinander und zeigt, wie eng Erfolg, Scheitern und langfristige Veränderung miteinander verwoben sind.

Grafiken, historische Bilddokumente und zeichnerische Rekonstruktionen vermitteln ein anschauliches Bild der Epoche. Ein besonderer Fokus liegt auf den Lebensverhältnissen der Landbevölkerung, die anhand eines exemplarischen Hofes aus dem Kemptener Stadtgebiet nachvollziehbar gemacht werden. Alltag, Arbeit, Abhängigkeiten und Hoffnungen der bäuerlichen Familien werden so greifbar und eröffnen einen Zugang zur Geschichte jenseits politischer Ereignisse und Schlachten.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Wolfgang Petz. Er wurde in Kempten geboren und ist dort aufgewachsen. Nach seiner Promotion in Bayerischer Landesgeschichte an der Universität Augsburg mit der Arbeit „Zweimal Kempten – Geschichte einer Doppelstadt 1694–1836“ widmete er sich beruflich sowohl der schulischen Geschichtsvermittlung als Gymnasiallehrer als auch der musealen Arbeit am Haus der Bayerischen Geschichte. Dr. Petz veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Geschichte Kemptens und der weiteren Region und war an mehreren bedeutenden Ausstellungsprojekten beteiligt, darunter „Bürgerfleiß und Fürstenglanz“ (Kempten 1998), „Bayern – Ungarn. Tausend Jahre“ (Passau/Budapest 2001) sowie zuletzt „Zuflucht auf Zeit“ (Kempten 2023).

Mit „Zeitenwende 1525“ gelingt es, ein Schlüsseljahr der Regionalgeschichte in seinen europäischen Zusammenhang einzuordnen und zugleich die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort sichtbar zu machen. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Ereignisse von 1525 nicht nur als historisches Kapitel, sondern als Teil eines langen Ringens um Freiheit, Teilhabe und Selbstbestimmung zu verstehen.

Anzeige
Anzeige
 
Nutzen Sie Fahrmob für Ihre Anreise zur Veranstaltung!
Ort:
Kempten-Museum im Zumsteinhaus, Kempten