Persönliche Gegenstände erzählen oft mehr über ein Leben als viele Dokumente. Genau diesen Erinnerungsstücken widmet sich die Wanderausstellung „Stolen Memory“, die vom 10. Juli bis 2. August 2026 im Rahmen des Erinnerungslabors an der Allgäuhalle in Kempten zu sehen ist. Gezeigt wird die Ausstellung in einem Container vor der Halle II der Allgäuhalle, täglich von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr.
Mit „Stolen Memory an der Allgäuhalle in Kempten“ rückt eine Ausstellung in den Mittelpunkt, die den Menschen hinter den historischen Ereignissen ein Gesicht gibt. Uhren, Eheringe, Brieftaschen, Fotos, Brillen oder Schmuckstücke wurden Häftlingen bei ihrer Einlieferung in Konzentrationslager von den Nationalsozialisten abgenommen. Viele dieser Gegenstände gelangten später in die Bestände der Arolsen Archives und warten bis heute darauf, ihren rechtmäßigen Familien zurückgegeben zu werden.
Die Ausstellung erzählt von dieser oft jahrelangen Suche. Seit 2016 arbeiten Mitarbeitende der Arolsen Archives gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen daran, Angehörige ausfindig zu machen und die sogenannten Effekten zurückzugeben. Die Geschichten gleichen häufig einer Detektivarbeit: Hinweise in Dokumenten werden verfolgt, Familiengeschichten rekonstruiert und internationale Kontakte geknüpft. 🔍📜
Besonders eindrücklich ist dabei die Erkenntnis, dass hinter jedem Gegenstand ein individuelles Schicksal steht. Ein Ring, ein Foto oder eine Uhr sind weit mehr als historische Objekte. Sie sind Erinnerungen an Menschen, deren Leben durch Verfolgung, Deportation und Gewalt geprägt wurde. Oft sind diese Gegenstände die letzten erhaltenen Zeugnisse einer Familiengeschichte.
Die Ausstellung ist Teil des Erinnerungslabors Allgäuhalle 2026, das sich vom 20. Juni bis 2. August 2026 mit der NS-Geschichte und ihren Folgen in Kempten und im Allgäu auseinandersetzt. In der Halle II werden mehrere Projekte und Ausstellungen präsentiert, die unterschiedliche Perspektiven auf Erinnerung, Verfolgung, Flucht und gesellschaftliche Verantwortung eröffnen. Dabei verfolgt das Erinnerungslabor bewusst keinen einheitlichen historischen Blick, sondern lässt verschiedene Initiativen, Organisationen und Beteiligte zu Wort kommen.
Ein besonderer Bezug ergibt sich durch den Veranstaltungsort selbst. Die Allgäuhalle war zwischen 1943 und 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Auf dem Außengelände befand sich zudem ein Arbeitslager für Zwangsarbeiter. Damit wird die Geschichte des Nationalsozialismus nicht als fernes Kapitel betrachtet, sondern mit einem Ort verbunden, der bis heute Teil des Stadtbildes von Kempten ist.
Neben „Stolen Memory“ sind weitere Ausstellungen zu sehen. Das Kulturamt der Stadt Kempten informiert über die Überprüfung von Straßennamen auf mögliche Verbindungen zum Nationalsozialismus. Der Künstler Christian Hof beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit dem Alltag während der NS-Zeit in Kempten. Fotograf Fabio Scaturro dokumentiert ehemalige NS-Tatorte im Allgäu und deren Wandel im Laufe der Zeit. Schülerinnen und Schüler des Allgäu-Gymnasiums widmen sich den Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Wer tiefer in die Themen einsteigen möchte, kann an den öffentlichen Führungen teilnehmen. Diese finden während des Erinnerungslabors jeden Samstag um 11 Uhr statt. 🕚👥 Die Ausstellung „Stolen Memory“ lädt dabei nicht nur zum Betrachten ein, sondern regt dazu an, über Erinnerung, Verantwortung und die Bedeutung persönlicher Geschichten nachzudenken.
Die Arolsen Archives gelten als das internationale Zentrum zur Dokumentation der NS-Verfolgung. Ihre Sammlung enthält Hinweise zu rund 17,5 Millionen Menschen und gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Die dort bewahrten Dokumente und Gegenstände leisten bis heute einen wichtigen Beitrag zur historischen Forschung und zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. 📚🕊️
🔎 Wichtige Infos auf einen Blick
📌 Was? Wanderausstellung „Stolen Memory“ im Rahmen des Erinnerungslabors Allgäuhalle 2026
📅 Wann? 10.07. bis 02.08.2026
🕙 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
📍 Wo? Container vor der Halle II der Allgäuhalle in Kempten
🎟️ Eintritt: Frei
👥 Für wen? Interessierte an Zeitgeschichte, Erinnerungskultur und regionaler Geschichte
🗣️ Führungen: Öffentliche Führungen im Erinnerungslabor jeden Samstag um 11 Uhr
📚 Thema: Rückgabe persönlicher Gegenstände von NS-Opfern und die Suche nach deren Familien
🏛️ Veranstaltungsrahmen: Erinnerungslabor Allgäuhalle 2026 mit mehreren Ausstellungen zur NS-Geschichte und ihren Folgen im Allgäu
🕊️ Besonderheit: Die Ausstellung zeigt originale Schicksale hinter gestohlenen Erinnerungsstücken und dokumentiert die internationale Suche nach Angehörigen der Opfer.
Foto: Johanna Groß (c) Arolsen Archives
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