PopUp Atelier: Notan - Japanischer Scherenschnitt in der …

Am 28. September 2024 lädt die Kunstschule Kempten zu einem besonderen kreativen Erlebnis ein: Im Rahmen eines PopUp Ateliers unter der Leitung von Ildikó Titkó, Grafikerin und Kunstpädagogin, wird der japanische Scherenschnitt Notan erkundet. Dieses traditionelle Gestaltungsprinzip vereint die Gegensätze von Hell und Dunkel und spiegelt die Balance wider, die im Herzstück vieler fernöstlicher Philosophien liegt. Von 10:00 bis 13:00 Uhr dürfen sich die Teilnehmer in der Staehlin Papeterie auf einen intensiven künstlerischen Workshop freuen, bei dem sie die Kunst des Scherenschnitts von Grund auf kennenlernen.

Notan bedeutet auf Japanisch dunkel-hell und geht auf die Zen-Mönche zurück, die in asketischer Einfachheit Schwarz-Weiß-Malereien anfertigten. Zwei Farben - Schwarz für die Tusche, Weiß für das Papier - genügten ihnen, um die Welt in ihrer Gegensätzlichkeit und Harmonie darzustellen. Das Grundprinzip von Notan findet sich auch im weltberühmten Yin-und-Yang-Symbol wieder: Gegensätze, die miteinander verbunden sind, einander bedingen und doch ein unteilbares Ganzes formen. Diesem Prinzip folgend, wird im Notan-Scherenschnitt mit positiven und negativen Formen gearbeitet, wobei sich die Grenzen zwischen Vorder- und Hintergrund auf faszinierende Weise auflösen.

Was auf den ersten Blick schlicht wirkt, birgt eine tiefgründige Komplexität. Die positive Form - also das ausgeschnittene Motiv - tritt aus dem Hintergrund hervor, während der negative Raum ebenso präsent bleibt. Gerade diese Wechselwirkung zwischen Positiv und Negativ macht Notan zu einem besonders spannenden Kontrastphänomen, das die Sinne herausfordert. Die scheinbare Einfachheit lässt Raum für unendliche Möglichkeiten der Gestaltung, von geometrischen Mustern bis hin zu freieren, organischen Formen.

In diesem dreistündigen Workshop werden die Teilnehmer mit weißen und schwarzen Kartons arbeiten und nach den Grundregeln des Notan-Scherenschnitts ihre eigenen Kunstwerke erschaffen. Die Hauptregel ist einfach und doch herausfordernd: Es darf nichts weggenommen und nichts hinzugefügt werden. Jeder Schnitt und jedes Element muss im fertigen Bild seinen Platz finden, wodurch eine beeindruckende Harmonie zwischen den Formen entsteht. Für erste Versuche eignen sich klassische Schwarz-Weiß-Kombinationen, doch wer etwas mutiger ist, kann sich auch an farbigen Papieren versuchen.

Schritt für Schritt führt Ildikó Titkó durch den kreativen Prozess. Die ausgeschnittenen Formen werden auf Basisvorlagen geklebt und so zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk zusammengesetzt. Ob dreieckige oder rechteckige Motive, ob minimalistischer Stil oder aufwendige Details - den gestalterischen Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt, solange die strengen Regeln des Notan eingehalten werden.

Dieser Workshop ist nicht nur eine Einführung in eine faszinierende Technik, sondern auch eine Einladung, sich mit den Gegensätzen im Leben auseinanderzusetzen. Wie schon Friedrich Nietzsche feststellte: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Notan erfordert genau diese Fähigkeit, das scheinbar Chaotische in eine Ordnung zu überführen und so etwas ganz Neues zu schaffen.

Zum Abschluss bleibt die Frage: Was kann man aus dieser Kunstform lernen? Der japanische Scherenschnitt lehrt uns, dass das Leben - wie die Kunst - eine Balance zwischen Hell und Dunkel, zwischen Ordnung und Chaos ist. Wie im Yin und Yang, das im Notan seinen bildlichen Ausdruck findet, sind beide Pole notwendig, um ein Ganzes zu ergeben. Vielleicht erinnert uns der Scherenschnitt daran, dass wir in unseren eigenen Gegensätzen eine Harmonie finden müssen - eine Weisheit, die nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben von unschätzbarem Wert ist.

Der Kurs erfordert eine Anmeldung über die Volkshochschule Kempten (VHS). Die Teilnahmegebühr beträgt 28 Euro, zuzüglich ca. 12 Euro Materialkosten, die vor Ort zu entrichten sind. Wer sich auf das meditative Spiel mit Formen und Kontrasten einlassen möchte, ist in diesem PopUp Atelier genau richtig.

Foto: Staehlin Papeterie

 
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Ort:
Staehlin Papeterie, Kempten
Eintritt:
28 inkl. Material