Frühling im Allgäu ist eine besondere Konzertreihe, die 2026 zum zweiten Mal stattfindet und Volksmusik aus Bayern mit musikalischen Traditionen aus den Partnerstädten Kemptens verbindet. Initiiert und organisiert wird die Reihe vom Buchenberger Musikpädagogen und Komponisten Martin Kern, der mit diesem Format Begegnungen über Grenzen hinweg ermöglicht und regionale Musikkultur in einen lebendigen Austausch mit europäischen Volksmusiktraditionen stellt. Das Konzert findet am Samstag, den 18. April 2026, im „Schönen Saal“ der Sing- und Musikschule Kempten statt.
Neu an der diesjährigen Ausgabe ist die konsequente Einbindung einer Folklore-Gruppe aus einer Kemptener Partnerstadt. Zu Gast ist die Fajkusz Banda aus Sopron in Ungarn. Die Gruppe widmet sich seit 2004 mit großer Leidenschaft der Volksmusik des Karpatenbeckens. Ihr Repertoire umfasst traditionelle ungarische Musik ebenso wie Stücke aus Rumänien, der Slowakei sowie aus serbischer, kroatischer und deutscher Folklore. Mit Violine, Akkordeon, Kontrabass, Bratschen, Kontratambura, Gitarre und Zymbal entsteht ein vielschichtiger, rhythmisch lebendiger Klang, der Tanztraditionen und jahrhundertealte Melodien hörbar macht. Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens veröffentlichte die Band 2025 das Album „Van még egy huszasom“, das einen umfassenden Einblick in ihr musikalisches Schaffen gibt.
Neben dem internationalen Gast wirken zahlreiche hochkarätige Gruppen aus der Region mit. Das Ensemble schwäbischwild steht für eine junge, frische Interpretation schwäbischer Volksmusik. Gegründet 2020, verbinden die fünf Musiker traditionelle Melodien mit Einflüssen aus Jazz und internationaler Volksmusik. Ungewöhnliche Instrumentenkombinationen wie Klarinette, Trompete, Akkordeon, Tuba und Cello sorgen für einen eigenständigen Klang. Für ihre kreative Arbeit wurde die Gruppe 2024 mit dem Förderpreis Volksmusik des Bezirks Schwaben ausgezeichnet.
Einen weiteren Akzent setzen die Stimmen des Jodlerduetts „Duesch mit ?“. Julia Auffinger und Karo Hiemer verbindet seit fünf Jahren die gemeinsame Liebe zum Jodlen und zum traditionellen Gesang. Mit großer Herzlichkeit und spürbarer Freude begeistern sie ihr Publikum bei Jodlerabenden ebenso wie bei privaten und öffentlichen Anlässen. Ergänzt wird das Programm durch die Jodlergruppe Ofterschwang, die 2026 ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Die elf Sängerinnen und Sänger pflegen ein breites Repertoire aus traditionellen und neu komponierten Naturjodlern und stehen für gelebte musikalische Gemeinschaft.
Das Ensemble Kerber/Kern, bestehend aus Sebastian Kern, Martin Kerber und Martin Kern, präsentiert Eigenkompositionen in wechselnden Besetzungen mit Gitarren, Zithern, Scherrzither und Bassklarinette. Ein besonderes Highlight ist das Spiel auf einer originalen Scherrzither, die durch den Oberstdorfer Musiker Max Schraudolf bekannt wurde.
Durch den Abend führt Johannes Hitzelberger vom Bayerischen Rundfunk. Die Veranstaltung wird von BR Heimat für den Hörfunk aufgezeichnet. Der Kartenvorverkauf erfolgt über die Buchhandlung Pröpster in Kempten, Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich. Gefördert wird Frühling im Allgäu vom Kulturamt der Stadt Kempten und dem Bezirk Schwaben.
In einer Zeit, in der nationale Grenzen wieder stärker in den Vordergrund rücken und die politische Rhetorik oft von Abgrenzung geprägt ist, bietet die Konzertreihe „Frühling im Allgäu“ einen Gegenentwurf: Sie schafft eine Plattform für transnationale Begegnungen durch die universelle Sprache der Musik. Die Entscheidung, die Fajkusz Banda aus Sopron einzuladen, ist mehr als eine bloße Erweiterung des musikalischen Programms. Sie symbolisiert den kulturellen Austausch und die Offenheit, die Europa im Kern vereint. Indem die ungarische Folklore auf bayerische Volksmusik trifft, wird ein Raum für Dialog und Verständnis geschaffen, der über den rein musikalischen Genuss hinausgeht. 🎶
Die Einbindung lokaler und internationaler Künstler fördert nicht nur die Wertschätzung der eigenen kulturellen Wurzeln, sondern auch die Neugier auf die Traditionen anderer. Wenn das Ensemble schwäbischwild traditionelle Melodien mit modernen Einflüssen kombiniert, spiegelt sich darin der Geist einer jungen Generation wider, die bereit ist, Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Diese musikalische Offenheit könnte als Modell für gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen, indem sie zeigt, wie Vielfalt und Tradition harmonisch koexistieren können. Veranstaltungen wie diese tragen dazu bei, kulturelle Barrieren zu überwinden und ein Gefühl der Gemeinschaft zu stärken – eine dringend benötigte Botschaft in einer Welt, die oft von Spaltungen geprägt ist. 🌍