Klassische Musik trifft auf zeitgenössischen Tanz, bekannte Kompositionen auf radikal neue Bewegungssprachen: „Radical Classical“ mit Eric Gauthier und den Gauthier Dance JUNIORS ist am Samstag, 24. Oktober 2026, um 20 Uhr beim Tanzherbst im Großen Haus des Stadttheaters Kempten zu sehen. Choreografien von Aszure Barton, Mauro de Candia, Marie Chouinard, Eric Gauthier, Andreas Heise und Ohad Naharin stehen neben einer Uraufführung von Marco Goecke. Sieben eigens produzierte Filmportraits ergänzen den Tanzabend. 🎻
Radical Classical beim Tanzherbst in Kempten stellt die vertraute Verbindung von klassischer Musik und Ballett auf den Prüfstand. Die Gauthier Dance JUNIORS zeigen, wie unterschiedlich zeitgenössische Choreograf auf Werke von Vivaldi, Debussy, Johann Strauss Sohn, Ravel, Beethoven oder Saint-Saëns reagieren. Das Ergebnis ist kein einheitlicher Stil, sondern eine Folge eigenständiger Arbeiten, die klassische Musik jeweils aus einer anderen Perspektive betrachten. 💃
Zwischen den Tanzstücken erweitern sieben filmische Portraits das Programm. Gemeinsam mit Autor und Regisseur Thomas Geiger entstanden kurze Filme mit verschiedenen Expert, die jeweils einen anderen Zugang zur Musik eröffnen. Instrumente, Komponist und die Arbeit von Musiker rücken dabei in den Blick. Die Filme sollen die Musik nicht erklären, sondern zusätzliche Perspektiven auf das Gehörte und Getanzte schaffen. 🎬
Aszure Barton ist mit einem Pas de deux aus „Lascilo Perdere / Duet (A journey of letting go)“ vertreten. Die 2005 für ihre eigene Company AB&A entstandene Arbeit verwendet Antonio Vivaldis „Nisi Dominus – Cum Dederit“. Das Paar bleibt über die Dauer des Stücks in einer körperlich anspruchsvollen Verschlingung miteinander verbunden. Die Choreografie setzt damit eine ungewöhnliche körperliche Beziehung zu Vivaldis Musik.
Marie Chouinards Beitrag führt zu Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“. Ausgangspunkt ist zugleich Vaslav Nijinskis 1912 für die Ballets Russes geschaffenes „L’Après-midi d’un faune“. Inspiriert von dieser Choreografie und historischen Fotografien entwickelte Chouinard ihre eigene Version für eine Faunin. Das Solo führt in eine mythische und archaische Bilderwelt und greift die Figur des Fabelwesens aus einer neuen Perspektive auf. 🩰
Einen anderen Ton setzt „Frühlingsstimmen“ von Andreas Heise zur Musik von Johann Strauss Sohn. Der Walzer und seine Vorstellung von erwachender Natur treffen auf eine Choreografie, die auch Zweifel und Brüche sichtbar macht. Marionettenhaft wirkende Bewegungen stehen der musikalischen Leichtigkeit gegenüber. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen vermeintlicher Harmonie und einer Szenerie, in der nicht alles so unbeschwert ist, wie es zunächst erscheint.
Auch Maurice Ravels „Boléro“ gehört zu den klassischen Werken, die immer wieder choreografisch neu interpretiert wurden. Ohad Naharin wählt mit „B/olero“ einen eigenen Zugang und verwendet ein Synthesizer-Arrangement des japanischen Komponisten Isao Tomita. 🎶 Die bekannte musikalische Vorlage erhält dadurch bereits klanglich eine andere Gestalt, bevor Naharins Bewegungssprache hinzukommt.
Humor bringt Eric Gauthiers „Orchestra of Wolves“ ins Programm. Zur Musik des ersten Satzes von Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie wird der Konflikt zwischen Dirigent und Orchester zur Miniaturkomödie. Die Rollenverteilung ist dabei alles andere als gewöhnlich: Der Dirigent ist ein Vogel, während das Orchester ausschließlich aus Wölfen besteht. 🐺 Aus einer vertrauten Konzertsituation entwickelt sich so eine choreografische Auseinandersetzung mit Autorität.
Auch der „Sterbende Schwan“ ist Teil des Abends. Michel Fokines 1905 für Anna Pawlowa geschaffene Choreografie zur Musik aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ gehört zu den prägenden Bildern des klassischen Balletts. Mauro de Candia verändert mit „La Morte del Cigno“ die Perspektive: Bei ihm wird der sterbende Schwan von einem männlichen Tänzer verkörpert.
Eine besondere Position im Programm nimmt die Uraufführung „FURIA“ von Marco Goecke ein. Das Stück ist der im September 2025 verstorbenen Kostümbildnerin und Theaterhaus-Mitgründerin Gudrun Schretzmeier gewidmet. Entstanden ist die Choreografie innerhalb einer sechstägigen Probenphase. Inhaltlich beschäftigt sie sich mit dem Versuch, die vergehende Zeit festzuhalten. ⏳
Als musikalische Grundlage für „FURIA“ dienen barocke „La Folia“-Variationen von Marin Marais und Arcangelo Corelli. Goecke verbindet das Motiv der Vergänglichkeit mit einer Musik aus einer Epoche, in der die Flüchtigkeit der Zeit ein wiederkehrendes künstlerisches Thema war. „Ihr müsst kämpfen um die Zeit, die vergeht“, formulierte der Choreograf während der Proben gegenüber den Tänzern. Dieser Kampf gegen das Entgleiten der Zeit bildet einen zentralen Gedanken der Uraufführung.
Auf der Bühne stehen die Gauthier Dance JUNIORS mit Tara Yipp, Ashton Benn, Naia Debrota, Carolina Fernandes, Mathilde Roberge, Atticus Dobbie, Rong Chang, Giuseppe Ferrara und Giuseppe Iodice. Das Programm verlangt ihnen sehr unterschiedliche choreografische und darstellerische Qualitäten ab. Von Duetten und Soli bis zu humorvollen oder abstrakten Arbeiten wechseln Stil, musikalischer Kontext und körperliche Anforderungen mehrfach im Verlauf des Abends. 🎭
Beim Tanzherbst in Kempten verbindet „Radical Classical“ damit Musikgeschichte und zeitgenössische Tanzkunst. Die Veranstaltung zeigt nicht eine einzige Antwort auf die Frage, wie klassische Musik heute choreografiert werden kann. Vielmehr stehen unterschiedliche Generationen und Handschriften nebeneinander – ergänzt um Filme, die weitere Zugänge zu den musikalischen Werken eröffnen.
Die Aufführung beginnt am Samstag, 24. Oktober 2026, um 20 Uhr im Großen Haus des Stadttheaters Kempten. Tickets kosten je nach Kategorie 38, 32, 26 oder 19 Euro; ermäßigte Karten sind für 7,50 Euro erhältlich. 🎟️ Empfohlen wird die Aufführung ab 16 Jahren. Das Publikum sollte zudem beachten, dass Darstellungen sexueller Inhalte Bestandteil des Programms sind.
🔎 Wichtige Infos auf einen Blick
- 💃 Was? „Radical Classical“ mit Eric Gauthier und den Gauthier Dance JUNIORS
- 🎭 Rahmen: Tanzherbst in Kempten
- 📅 Wann? Samstag, 24. Oktober 2026
- 🕗 Beginn: 20:00 Uhr
- 📍 Wo? Stadttheater Kempten, Großes Haus
- 🎟️ Tickets: 38 / 32 / 26 / 19 Euro | 7,50 Euro ermäßigt
- 🎼 Choreografien: Aszure Barton, Mauro de Candia, Marie Chouinard, Eric Gauthier, Andreas Heise, Ohad Naharin und Marco Goecke
- 🆕 Uraufführung: „FURIA“ von Marco Goecke
- 🎬 Besonderheit: Sieben filmische Portraits über klassische Musik
- 👥 Tänzer:innen: Tara Yipp, Ashton Benn, Naia Debrota, Carolina Fernandes, Mathilde Roberge, Atticus Dobbie, Rong Chang, Giuseppe Ferrara und Giuseppe Iodice
- 🔞 Altersempfehlung: Ab 16 Jahren
- ℹ️ Hinweis: Die Aufführung enthält Darstellungen von sexuellen Inhalten
- 🌐 Webseite: https://www.theaterhaus.com/de/gauthier
- 📷 Fotos: © Jeanette Bak